Manche sehen in mir die lösungsorientierte Strategin, die strahlende Powerfrau. Was sie nicht sehen, ist der Weg, auf dem diese Präsenz gebaut wurde.
Ich kenne die Tiefe des Lebens - nicht aus Büchern oder Filmen, sondern aus eigener, schmerzhafter Erfahrung. Vor einigen Jahren konfrontierte mich eine lebensbedrohliche Diagnose mit der absoluten Härteprobe. Mitten in der Pandemie. Allein in der Uniklinik. Niemand, der meine Hand halten konnte.
In diesem Moment traf ich eine Entscheidung. Ich übernahm radikale Verantwortung und entschied mich, mich mit all meiner Stärke dadurch zu führen. Comeback stronger - das war mein Weg.
Ich wurde geheilt. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass Stärke allein nicht die Antwort auf alles ist. Dass die Rüstung der Starken, die mich einmal gerettet hat, mich irgendwann eingeengt hat. Und dass es einen Unterschied gibt zwischen stark sein müssen und frei wählen können.
Mit 18 habe ich mir einen Satz tätowieren lassen: "Ich weiß, wie stark ich sein kann, wenn Starksein die einzige Wahl ist, die ich habe." Damals war das meine Überlebensstrategie - der Satz, der mich getragen hat. Heute brauche ich ihn nicht mehr. Nicht weil er falsch war, sondern weil ich inzwischen weiß, dass Starksein nicht die einzige Wahl ist.
Stärke ist nicht, alles allein zu schaffen. Stärke ist auch nicht, alles auszuhalten, nur weil Du es kannst. Stärke ist, Dich selbst wieder zu spüren - und zu führen.
Genau das zeige ich den Frauen, die zu mir kommen.